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Atominterferometer
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top
Ein Atominterferometer ist ein PrĂ€zisionsmessgerĂ€t, das die Interferenz von Materiewellen nutzt, um genaue Messungen von Beschleunigung, Rotation oder Gravitationsfeldern durchzufĂŒhren. Mit Atominterferometern lassen sich fundamentale Konstanten wie die Gravitationskonstante mit hoher Genauigkeit bestimmen, möglicherweise aber auch PhĂ€nomene wie Gravitationswellen untersuchen.cite-ref-1[1]
Contents
âą Ăberblick
âą Geschichte
âą Anwendungen
âą Literatur
âą Einzelnachweise
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Ăberblick
Die Interferometrie beruht auf den Eigenschaften von Wellen, sich zu ĂŒberlagern. Wie Louis de Broglie in seiner Dissertation postulierte, können sich Teilchen, also auch Atome, wie Wellen verhalten (sogenannter Welle-Teilchen-Dualismus) â dies ist ein zentrales Prinzip der Quantenmechanik. FĂŒr Experimente, die eine sehr hohe Genauigkeit erfordern, werden zunehmend Atominterferometer eingesetzt, da Atome der Masse M und der Geschwindigkeit v einen hohen Impuls p = M·v und eine sehr kleine De-Broglie-WellenlĂ€nge
λ λ dB = h p {\displaystyle \lambda _{\text{dB}}={\frac {h}{p}}}
haben, wobei h = 6,626·10â34 Js die Planck-Konstante istcite-ref-2[2]. Natriumatome mit der Masse von M= 3,82·10â26 kg und einer Atomstrahlgeschwindigkeit von v = 1 km/s, nach adiabatischer Expansion, haben eine MateriewellenlĂ€nge von 17 pm.cite-ref-3[3]
In einigen Experimenten werden sogar MolekĂŒle verwendet, um noch kleinere WellenlĂ€ngen zu erreichen und die Grenzen der GĂŒltigkeit der Quantenmechanik auszulotencite-ref-4[4]. In vielen Experimenten mit Atomen sind die Rollen von Materie und Licht im Vergleich zu Laser-basierten Interferometern vertauscht; statt Licht interferiert Materie. Die QuantenzustĂ€nde der interferierenden Atome werden mit Laserstrahlung kontrolliert. Die Wirkung dieser Laserstrahlen entspricht z. B. der von Spiegeln und Strahlteilern in einem optischen Interferometer.
Die de-Broglie-WellenlĂ€nge von Neutronen ist ebenfalls kurz. Im Gegensatz zu Atomen können Neutronen jedoch Kristalle durchdringen und werden an den dicht benachbarten Kristallebenen gebeugtcite-ref-5[5]. Auch Elektronen werden in Kristallen gebeugt, und ihre wellenartigen Eigenschaften wurden schon vor langer Zeit von Davison und Germer in ihrem berĂŒhmten Experiment zur BestĂ€tigung des Teilchen-Welle-Dualismus in der Quantenmechanik nachgewiesencite-ref-6[6].
Interferometertypen fĂŒr Atome
Die Verwendung von Atomen ermöglicht höhere Frequenzen (und damit Genauigkeiten) als mit Licht, allerdings sind die Atome auch stĂ€rker der Schwerkraft ausgesetzt. In einigen Apparaturen werden die Atome nach oben geschleudert und die Interferometrie findet statt, wĂ€hrend sich die Atome im Flug oder im freien Fall befinden. In anderen Experimenten werden zusĂ€tzliche KrĂ€fte angewendet, um die GravitationskrĂ€fte zu kompensieren. Diese gefĂŒhrten Systeme erlauben im Prinzip unbegrenzte Messzeiten, ihre KohĂ€renz wird jedoch noch diskutiert. Neuere theoretische Untersuchungen deuten darauf hin, dass die KohĂ€renz in gefĂŒhrten Systemen erhalten bleibt, dies muss aber noch experimentell bestĂ€tigt werden.
Der Aufbau eines Atominterferometers ist anspruchsvoll, da Atome im Gegensatz zu Elektronen keine Ladung tragen und nicht wie Neutronen in kondensierte Materie eindringen können. Daher sind innovative Techniken erforderlich, um kohĂ€rente Strahlteiler fĂŒr atomare Materiewellen zu entwickeln. Die ersten Atominterferometer verwendeten Schlitze oder DrĂ€hte als Strahlteiler und Spiegel. SpĂ€tere Systeme, insbesondere gefĂŒhrte Systeme, nutzten LichtkrĂ€fte, um die Materiewelle aufzuteilen und zu reflektierencite-ref-rasel-7-0[7].
Youngscher Doppelspaltversuch mit Atomen
Das Youngsche Doppelspaltexperiment ist die wohl einfachste Anordnung, in der Atome zwei rÀumlich getrennte Bahnen durchlaufen. Es ist das quantenmechanische Analogon zum Doppelspaltinterferometer der klassischen Optik. Letzteres beschreibt das Interferenzmuster von Licht, das durch zwei schmale Spalte auf einem dahinter angeordneten Schirm erzeugt wird.
Materiewellen der WellenlĂ€nge λdB können ebenfalls interferieren. Die IntensitĂ€t I ( α α âČ ) {\displaystyle I(\alpha ')} auf dem Schirm in AbhĂ€ngigkeit vom Winkel α α âČ {\displaystyle \alpha '} (Winkel zur Mittelsenkrechten) kann durch die Youngsche Doppelspaltformel beschrieben werdencite-ref-8[8]:
I ( α α âČ ) = I 0 cos 2 âĄ âĄ Ï Ï g sin ⥠⥠α α âČ Î» λ dB {\displaystyle I(\alpha ')=I_{0}\cos ^{2}{\textstyle {\frac {\pi g\sin \alpha '}{\lambda _{\text{dB}}}}}}
mit I 0 {\displaystyle I_{0}} als maximale IntensitĂ€t auf der Achse und g als dem Abstand zwischen den beiden Spalten. Konstruktive Interferenz mit maximaler IntensitĂ€t tritt auf, wenn das Argument des Kosinus ein Vielfaches von Ï ist. FĂŒr kleine Winkel α α âČ {\displaystyle \alpha '} erwarten wir auf einem Schirm im Abstand a vom Doppelspalt IntensitĂ€tsmaxima im Abstand d von
Ï Ï g sin ⥠⥠α α âČ Î» λ dB â â Ï Ï g α α âČ Î» λ dB = n â
â
Ï Ï â â Î Î d = a â
â
ΠΠα α âČ = a g λ λ dB {\displaystyle \textstyle {\frac {\pi g\sin \alpha '}{\lambda _{\text{dB}}}}\approx {\frac {\pi g\alpha '}{\lambda _{\text{dB}}}}=n\cdot \pi \quad \Rightarrow \quad \Delta d=a\cdot \Delta \alpha '={\frac {a}{g}}\lambda _{\text{dB}}}
Materiewellen interferieren, wenn sie bei A und B durch zwei je s2 = 1 ÎŒm breite Spalten laufen. Ein Youngsches Doppelspaltexperiment mit Heliumatomencite-ref-9[9] bei einem Spaltabstand von g = 8 ÎŒm liefert fĂŒr den Schirmabstand a = 0,64 m fĂŒr die de-Broglie-WellenlĂ€nge von λdB = 103 pm ein Î d = 8,4 ÎŒm ± 0,8 ÎŒm und fĂŒr die de-Broglie-WellenlĂ€nge von λdB = 56 pm ein Î d = 4,5 ÎŒm ± 0,6 ÎŒm. Die angeregten Heliumatome werden durch den Quellenspalt der Breite s1 = 2 ÎŒm in einer dĂŒnnen Goldfolie ĂŒber den Winkel λdB / s1 = 5·10â5 rad durch den Spalt so gebeugt, dass der Doppelspalt im Abstand L = 0,64 m kohĂ€rent beleuchtet wird.
Das Heliumatom wurde gewĂ€hlt, weil es eine geringe Masse hat, was zu einer groĂen de-Broglie-WellenlĂ€nge fĂŒhrt. AuĂerdem ist Helium ein inertes Edelgas, was die Verwendung von sehr empfindlichen Transmissionsstrukturen ermöglicht. Die Erzeugung eines intensiven Heliumstrahls ist gut etabliert. DarĂŒber hinaus sind metastabile Heliumatome leicht nachweisbar und weisen optische ĂbergĂ€nge im nahen Infrarot auf, was ihre Manipulation hinsichtlich innerer und Ă€uĂerer Freiheitsgrade durch Laserfelder erleichtert.
Drei-Gitter-Interferometer
Die Grundidee eines Drei-Gitter-Atominterferometers besteht darin, Atome durch eine Reihe von Gittern zu leiten und dabei ihre Eigenschaften als Materiewellen zu nutzen. In dem Experiment von Pritchardcite-ref-10[10] wird ein Strahl von Natriumatomen mit der Geschwindigkeit v = 103 m/s durch zwei 20-ÎŒm-Schlitze, die sich im Abstand von R0 = 0,9 m befinden, kollimiert, so dass ein streifenförmiger Strahl von 1 mm Ă 20 ÎŒm mit einer Divergenz von 20 ÎŒrad entsteht. Bei dieser Geschwindigkeit haben Natriumatome mit eine MateriewellenlĂ€nge von 17 pm.
Das Interferometer besteht aus drei Gittern G1, G2 und G3 mit einer Periode von 400 nm, die im Abstand von R1 = R2 = 0,66 m in einer Vakuumkammer angeordnet sind. Das erste Gitter dient als Strahlteiler und teilt die Natriumatome in zwei Teilstrahlen der nullten und ersten Beugungsordnung auf. Diese treffen auf das 140 ÎŒm breite Zwischengitter, wo sie in erster und negativer erster Ordnung gebeugt werden, so dass sie auf das dritte Gitter konvergieren. Am Zwischengitter haben die Strahlen eine Breite von 30 ÎŒm (FWHM) und einen Abstand von 27 ÎŒm. Die ersten beiden Gitter bilden ein Interferenzmuster in der Ebene des dritten Gitters, das als Maske fĂŒr die Abtastung dieses Musters dient. Der Detektor, der sich R2 = 0,30 m hinter dem dritten Gitter befindet, registriert den Natrium-Atomstrom, der durch das dritte Gitter transmittiert wird. Das Bild rechts zeigt nur einen der vielen Wege, die die Atome durch das Interferometer nehmen. Der Detektor ist so weit vom dritten Gitter entfernt, dass er nur die entsprechende Interferenz detektiert.
Dieser Interferometertyp ist nahezu unempfindlich gegenĂŒber dem Einfallswinkel und wird achromatisch durch gleiche WeglĂ€ngen auf beiden Seiten des Interferometers, erzwungen durch die geringe Geschwindigkeitsbreite der Atomstrahlquellen (âv/v â 12 %).
Durch die Analyse des entstehenden Interferenzmusters auf einem Detektor kann die relative Phasenverschiebung der Materiewellen gemessen werden. Ănderungen dieser Phasenverschiebung können dann fĂŒr PrĂ€zisionsmessungen wie die Bestimmung von Gravitationskonstanten, Beschleunigungen oder Winkeln verwendet werden.
Im Sagnac-Interferometer interferieren zwei kohÀrente Lichtstrahlen der WellenlÀnge λ, die gegenlÀufig um eine FlÀche A kreisen. Rotiert die gesamte Anordnung senkrecht zur FlÀche mit der Kreisfrequenz Ω, so verschieben sich die Interferenzstreifen umcite-ref-demtr-der-11-0[11]
Î Î Ï Ï opt. = 8 Ï Ï A λ λ c Ω Ω {\displaystyle \Delta \varphi _{\text{opt.}}={\frac {8\pi A}{\lambda c}}\Omega }
Im Drei-Gitter-Interferometer laufen Atomstrahlen auf einer geschlossenen Bahn um eine FlĂ€che A. Im Vergleich zu den Photonen in optischen Interferometern haben Xe-Atome in Materiewelleninterferometern mit ihrer Masse mXe = 54 · 1,66·10â27 kg = 8,96·10â26 kg eine geringere Geschwindigkeit v (relativ zum Licht) und eine kĂŒrzere WellenlĂ€nge λdB = h/p = h / mXe · v. Damit erhöht sich die Phasenverschiebung deutlich auf
Î Î Ï Ï Atom = 8 Ï Ï A λ λ dB v Ω Ω = 8 Ï Ï A m Xe v h v Ω Ω = 8 Ï Ï A m Xe h Ω Ω = Î Î Ï Ï opt. â
â
λ λ c â
â
m Xe h = 2 â
â
10 10 â
â
Î Î Ï Ï opt. {\displaystyle \Delta \varphi _{\text{Atom}}={\frac {8\pi A}{\lambda _{\text{dB}}v}}\Omega ={\frac {8\pi Am_{\text{Xe}}v}{hv}}\Omega ={\frac {8\pi Am_{\text{Xe}}}{h}}\Omega =\Delta \varphi _{\text{opt.}}\cdot \lambda c\cdot {\frac {m_{\text{Xe}}}{h}}=2\cdot 10^{10}\cdot \Delta \varphi _{\text{opt.}}}
fĂŒr Licht der WellenlĂ€nge λ = 0,5 ÎŒm. Damit beispielsweise die Erdrotation von ΩE â 7·10â5 sâ1 die Interferenz um einen Streifen Î = Î Ïopt. / 2Ï verschiebt, benötigt man eine umschlossene FlĂ€che von A = λ c / 4ΩE â 5·105 m2. In einem Materiewelleninterferometer mit Xe-Atomen genĂŒgt fĂŒr die gleiche Empfindlichkeit eine umschlossene FlĂ€che von nur A â 2,5·10â5 m2cite-ref-12[12].
Talbot-Lau-Atominterferometer
Talbot-Effekt
Siehe auch
:
Talbot-Effekt
Im Jahre 1836 beleuchtete William Talbot ein Gitter mit der Gitterperiode d mit einer annĂ€hernd ebenen Welle, die von einer Lichtquelle in einer Entfernung von 3 bis 6 m ausging. Mit einer Lupe beobachtete er das Licht hinter dem Gitter. Bewegte er die Lupe weiter vom Gitter weg, sah er in regelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden rote und grĂŒne Streifen als Abbild des Gitters, dann gelbe und blaue Streifen, dann wieder rote und grĂŒne Streifen und so weiter. Obwohl sich das Gitter weit auĂerhalb des Brennpunktes der Lupe befand, war das Aussehen der Streifen vollkommen klar und scharf umrissen.cite-ref-13[13] So entstanden im Nahfeld in regelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden Selbstbilder des Strichgitters.
Im Jahre 1881 zeigte Lord Rayleigh, dass ein Gitter mit einer Periode von d = 0,279 mm, das mit einer ebenen Welle der WellenlĂ€nge λrot = 640 nm beleuchtet wird, bereits ab einem Abstand von z0 = 4,45 cm vom Gitter in regelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden von Îrot = 12,2 cm immer wieder identische Bilder des Gitters erzeugt.cite-ref-14[14] FĂŒr grĂŒnes Licht der WellenlĂ€nge λgrĂŒn = 559 nm sind die entsprechenden Werte z0 = 3,18 cm und ÎgrĂŒn = 14 cm. Die Intervalle verhalten sich wie Î = d 2 / λ. Die Fresnel-LĂ€ngecite-ref-15[15] ist r F = λ λ z = λ λ â
â
j Î Î = j {\displaystyle {\sqrt {\lambda z}}={\sqrt {\lambda \cdot j\Delta }}={\sqrt {j}}} · d. FĂŒr ein Gitter mit der Breite n · d ist n · d >> j {\displaystyle {\sqrt {j}}} · d = r F. Man befindet sich im Bereich der Fresnelschen-Beugungcite-ref-16[16] und die KrĂŒmmung der Wellenfronten kann nicht mehr vernachlĂ€ssigt werden.
Betrachtet man daher die Phasenverschiebung zwischen den Pfaden vom ersten Gitter ĂŒber das mittlere Gitter zum dritten Gitter, wie in der Abbildung rechts dargestellt
L = Î Î = R 1 2 + ( j + 1 ) 2 d 2 2 + R 2 2 + ( j + 1 ) 2 d 2 2 â â R 1 2 + j 2 d 2 2 â â R 2 2 + j 2 d 2 2 â â ( j + 1 ) 2 d 2 2 2 R 1 â â j 2 d 2 2 2 R 1 + ( j + 1 ) 2 d 2 2 2 R 2 â â j 2 d 2 2 2 R 2 = ( 1 R 1 + 1 R 2 ) ( 2 j + 1 ) d 2 2 2 = 2 j + 1 2 λ λ TR {\displaystyle {\begin{aligned}L&=\Delta ={\sqrt {R_{1}^{2}+(j+1)^{2}d_{2}^{2}}}+{\sqrt {R_{2}^{2}+(j+1)^{2}d_{2}^{2}}}-{\sqrt {R_{1}^{2}+j^{2}d_{2}^{2}}}-{\sqrt {R_{2}^{2}+j^{2}d_{2}^{2}}}\\&\approx \textstyle {\frac {(j+1)^{2}d_{2}^{2}}{2R_{1}}}-{\frac {j^{2}d_{2}^{2}}{2R_{1}}}+{\frac {(j+1)^{2}d_{2}^{2}}{2R_{2}}}-{\frac {j^{2}d_{2}^{2}}{2R_{2}}}=\left({\frac {1}{R_{1}}}+{\frac {1}{R_{2}}}\right){\frac {(2j+1)d_{2}^{2}}{2}}={\frac {2j+1}{2}}\lambda _{\text{TR}}\end{aligned}}}
mit der reduzierten LĂ€nge des Interferometerscite-ref-clauser-17-0[17] Ï = R1R2 / (R1 + R2) und der Talbot-Rayleigh-WellenlĂ€nge λTR = d22 / Ï. Ist diese Phasendifferenz ein Vielfaches der LichtwellenlĂ€nge Î = n · λ, so addieren sich die IntensitĂ€ten von einer zeitlich inkohĂ€renten Quelle.
Lau-Effekt
Bei einer ausgedehnten, rĂ€umlich inkohĂ€renten Lichtquelle verschwimmen die Selbstbilder. Im Falle einer solchen rĂ€umlich inkohĂ€renten Quelle hat Ernst Lau ein zusĂ€tzliches Gitter vor das erste gesetzt und so ein Bild des ersten Gitters hinter dem zweiten erzeugt, wenn die GitterabstĂ€nde ein ganzzahliges Vielfaches einer charakteristischen LĂ€nge sind. FĂŒr den Gangunterschied vom Gitter G1 zu den Spalten j = 0 und j = 1 gilt
R 1 2 + d 2 2 â â R 1 â â d 2 2 R 1 = 1 â
â
λ λ â â R 1 = d 2 2 2 λ λ {\displaystyle {\sqrt {R_{1}^{2}+d_{2}^{2}}}-R_{1}\approx \textstyle {\frac {d^{2}}{2R_{1}}}=1\cdot \lambda \quad \Rightarrow \quad R_{1}={\frac {d_{2}^{2}}{2\lambda }}}
WĂ€hlt man fĂŒr die charakteristische LĂ€nge R1, so sind die Gangunterschiede der Strahlen, die sowohl das erste als auch das zweite Gitter passieren, Vielfache der WellenlĂ€nge λ, wie in der Abbildung rechts dargestellt. FĂŒr diesen Abstand R1 ergibt sich dann fĂŒr j = 0 und j = n die Gangdifferenz
R 1 2 + n 2 d 2 2 â â R 1 â â n 2 d 2 2 2 R 1 = n 2 d 2 2 2 λ λ 2 d 2 2 = n 2 â
â
λ λ {\displaystyle {\sqrt {R_{1}^{2}+n^{2}d_{2}^{2}}}-R_{1}\approx \textstyle {\frac {n^{2}d_{2}^{2}}{2R_{1}}}={\frac {n^{2}d_{2}^{2}2\lambda }{2d_{2}^{2}}}=n^{2}\cdot \lambda }
Die vom Gitter G1 ausgehende Welle erzeugt an den Spalten j = 0, j = 1, . . . des zweiten Gitters G2 SekundÀrlichtquellen. Diese sekundÀren Lichtquellen strahlen mit gleichen Phasen ab, da sich die WeglÀngen um ganzzahlige Vielfache von λ unterscheiden, wenn der Gitterabstand R1 = d22 / 2 λ ist.
Beim Lau-Effekt dient das erste Gitter als Anordnung kleiner, aber inkohĂ€rent divergierender Lichtquellen. Die Nahfeldbeugung des zweiten Gitters fĂŒhrt dann zur Auslöschung der Schatteneffekte. Im Abstand R2 vom zweiten Gitter tritt die rĂ€umliche IntensitĂ€tsstruktur wieder hervor. Die linsenfreie Abbildung durch den Talbot- und den Lau-Effekt tritt nur bei nicht verschwindender KrĂŒmmung der Wellenfront auf.
Atominterferometer zum Talbot-Lau-Effekt
Interferenzstreifen des Talbot-Lau-Effekts treten auch bei Materiewellen aufcite-ref-18[18]. Bei geeigneter Wahl der Gitterperioden d1, d2 und d3 sowie der AbstĂ€nde R1 und R2 addieren sich die Talbot-Muster der einzelnen Schlitze konstruktivcite-ref-19[19]. Die Detektion erfolgt ohne ortsauflösenden Detektor durch Ăberlagerung eines dritten Gitters, dessen Periode d3 der des Dichtemusters entspricht, und Messung des Gesamtflusses durch dieses Gitter als Funktion seiner transversalen Position xS. Ein ausgeprĂ€gtes Dichtemuster ergibt sich beispielsweise fĂŒr d1 = d2 = 2 · d2 und R1 = R2.
Das Drei-Gitter-Interferometer von John Clausercite-ref-clauser-17-1[17] verwendet die Gitterperioden d1 = d3 = 16,2 ÎŒm, d2 = 8,1 ÎŒm bei gleichen GitterabstĂ€nden R1 = R2 = 46,2 cm. Die Quelle Q ist gegenĂŒber der Achse des Interferometers verschoben. Kalte, langsame Atome mit geeigneter Geschwindigkeit werden mit Hilfe von Laserlicht aus dem thermischen Ausgangsstrahl auf die Interferometerachse abgelenkt. Der inkohĂ€rente Atomstrahl aus Kaliumteilchen tritt durch das erste Gitter in das Talbot-Lau-Interferometer ein. Das erste Gitter bildet eine Reihe von Kollimationsschlitzen mit der Periode d1, die nach einem Abstand R1 die transversale KohĂ€renz erzeugen, die fĂŒr die Beugung am zweiten Gitter erforderlich ist. Die verschiedenen Beugungsordnungen ĂŒberlagern sich weiter stromabwĂ€rts zu einem Streifenmuster, das genau die Struktur des ersten Gitters wiedergibt. Ein drittes Gitter G3 mit der gleichen Gitterperiode, wie G1 fĂŒhrt zu periodischen HelligkeitsĂ€nderungen in einem Detektor D, wenn G3 um xS transversal verschoben wird.
Das Streifenmuster wird durch verschiedene Resonanzen erzeugt. Eine Resonanz fĂŒr die m-te Harmonische tritt bei λ λ dB / λ λ TR = {\displaystyle \lambda _{\text{dB}}/\lambda _{\text{TR}}=} n / m auf, wenn m und n nĂ€herungsweise kleine ganze Zahlen sindcite-ref-clauser-17-2[17]. Bei einer Geschwindigkeit von v = 182 m/sec haben die Kaliumatome eine de-Broglie-WellenlĂ€nge von λ λ dB = h / m K v {\displaystyle \lambda _{\text{dB}}=h/m_{K}v} = 56 pm. Mit der reduzierten LĂ€nge des Interferometers von Ï Ï {\displaystyle \rho } = R1 R2/(R1 + R2) = 23,1 cm ist die Talbot-Rayleigh WellenlĂ€nge des Interferometers λ λ TR = d 2 2 / Ï Ï {\displaystyle \lambda _{\text{TR}}=d_{2}^{2}/\rho } = 284 pm. FĂŒr diese Geometrie ist die entsprechende resonante WellenlĂ€nge λ λ TR â â ( m / n ) λ λ dB â â 5 â
â
λ λ dB {\displaystyle \lambda _{\text{TR}}\approx (m/n)\lambda _{\text{dB}}\approx 5\cdot \lambda _{\text{dB}}} .
Die in einem Talbot-Lau-Interferometer beobachteten IntensitĂ€tsschwankungen sind kein strahlenoptisches PhĂ€nomen. Die Atomstrahlen werden nicht aufgespalten. Sie entstehen durch Interferenz der Wellen entlang der abgebildeten Mehrfachpfade. Ein Beweis dafĂŒr ist, dass R 1 = d 1 2 / λ λ dB {\displaystyle R_{1}=d_{1}^{2}/\lambda _{\text{dB}}} von λ λ dB {\displaystyle \lambda _{\text{dB}}} abhĂ€ngt und daher fĂŒr optimalen Kontrast eine ziemlich monochromatische Geschwindigkeitsverteilung erforderlich ist.
Das Talbot-Lau-Atominterferometer hat gegenĂŒber der Atomstrahlinterferometrie zwei wesentliche Vorteile. Erstens erfordert die Atomstrahl-Interferometrie eine enge Kollimation des Eingangsstrahls, um die Ăberlagerung von Beugungsordnungen zu vermeiden. Die Talbot-Lau-Interferometrie erlaubt aufgrund des Lau-Effekts einen sehr groĂen Raumwinkel des Strahls und benötigt keine Linsen zur Abbildung! AuĂerdem skaliert die benötigte Beugungsgitterperiode d 1 ⌠⌠λ λ dB {\displaystyle d_{1}\sim {\sqrt {\lambda _{\text{dB}}}}} nicht linear, sondern mit der Quadratwurzel der de-Broglie-WellenlĂ€nge λ λ dB {\displaystyle \lambda _{\text{dB}}} .
Beugung von Atomen durch Licht
Ein Atominterferometer mit stehenden Lichtwellen besteht in der Regel aus drei Hauptkomponenten: einer Quelle von Atomen mit Blenden zur Strahlformung, Phasengittern aus Laserstrahlen zur Manipulation der Atom-de-Broglie-Wellen und einem Detektor mit Blende zur Messung des Interferenzmusters. Im Atominterferometer von Rasel, Oberthaler, Batelaan, Schmiedmayer und Zeilingercite-ref-rasel-7-1[7] beugt ein Phasengitter aus stehenden Lichtquellen die Materiewellen der metastabilen Ar*-Atome. Im Vergleich zu Interferometern fĂŒr Licht sind die Rollen beim Atominterferometer mit stehenden Lichtwellen genau umgekehrt. Statt dass ein Lichtstrahl auf ein Materialgitter trifft, beleuchtet eine Materiewelle ein Lichtgitter.
Quelle des Atominterferometers mit stehenden Lichtwellen
Die Quelle liefert metastabile 40Ar*-Atome mit der wahrscheinlichsten Geschwindigkeitcite-ref-richter-20-0[20] v = 2 k B T / m {\textstyle {\sqrt {2k_{\text{B}}T/m}}} = 850 m/s. Das entspricht einer de-Broglie-WellenlĂ€nge von λ λ dB = h / m v = 12 p m {\displaystyle \lambda _{\text{dB}}=h/mv=12\;\mathrm {pm} } . Zwei Blenden mit Schlitzweite von 5 ÎŒm im Abstand von R0 = 85 cm kollimieren den Strahl und schaffen eine Winkeldivergenz von 5 ÎŒm / 85 cm = 6 ÎŒrad und somit eine ausreichende rĂ€umliche KohĂ€renz.
Aufspaltung der Materiewellen
Die entlang der z-Achse einfallenden Atome mit dem Materiewellenpaket Ï Ï ( x , y , z ) {\displaystyle \psi (x,y,z)} werden durch stehende Laserwellen manipuliert, deren Wellenvektor k â â {\displaystyle {\vec {k}}} parallel zur x-Achse verlĂ€uft. Sie wechselwirken mit dem zeitabhĂ€ngigen periodischen Potentialcite-ref-rasel-7-2[7]
V ( r â â , t ) = 1 2 α α ( Ï Ï ) | E â â ( r â â , t ) | 2 {\displaystyle V({\vec {r}},t)=\textstyle {\frac {1}{2}}\alpha (\omega )|{\vec {E}}({\vec {r}},t)|^{2}}
mit der frequenzabhĂ€ngigen elektrischen Polarisierbarkeit α α ( Ï Ï ) {\displaystyle \alpha (\omega )} des Atoms und dem elektrischen Feld E â â ( r â â , t ) = E â â 0 ( z ) cos ⥠⥠( k z ) cos ⥠⥠( Ï Ï t ) {\displaystyle {\vec {E}}({\vec {r}},t)={\vec {E}}_{0}(z)\cos(kz)\cos(\omega t)} der stehenden Welle. Dies fĂŒhrt zu einer zeitlichen und rĂ€umlichen Modulation der Gesamtenergie des Atoms. Auf einer bestimmten Bahn durch eine stehende Lichtwelle mittelt das Atom die schnelle Zeitmodulation und erfĂ€hrt eine Phasenverschiebung von ÎŽ ÎŽ Ï Ï ( x ) = Ï Ï 0 cos 2 ⥠⥠( k x ) = 1 2 Ï Ï 0 [ 1 + cos ⥠⥠( 2 k x ) ] ⌠⌠sin ⥠⥠( 2 k x ) . {\displaystyle \delta \varphi (x)=\varphi _{0}\cos ^{2}(kx)=\textstyle {\frac {1}{2}}\varphi _{0}[1+\cos(2kx)]\sim \sin(2kx).} Das Materiewellenpaket des Atoms Ï Ï ( x , y , z ) e i ÎŽ ÎŽ Ï Ï ( x ) {\displaystyle \psi (x,y,z){\text{e}}^{{\text{i}}\delta \varphi (x)}} weist eine rĂ€umliche Phasenmodulation auf, wie sie dem Durchgang durch ein sinusförmiges Phasengitter mit der Periode λ λ / 2 {\displaystyle \lambda /2} und der maximalen Amplitude Ï Ï 0 {\displaystyle \varphi _{0}} entspricht.
Die Polarisierbarkeit α α ( Ï Ï ) {\displaystyle \alpha (\omega )} und damit die Wechselwirkung der Ar*-Atome ist in der NĂ€he des Zwei-Niveau-System-Ăbergangs bei der WellenlĂ€nge λ λ {\displaystyle \lambda } = 811 nm mit PumpĂŒbergĂ€ngen von 801 und 795 nm besonders hoch. Ein Phasengitter mit einem Abstand der WellenbĂ€uche der stehenden Lichtwelle von d = λ λ / 2 {\displaystyle \lambda /2} = 405 nm beugt Materiewellen der WellenlĂ€nge λ λ dB = 0,12 Ă
{\displaystyle \lambda _{\text{dB}}={\text{0,12 }}\mathrm {\AA} } unter Winkeln Ï Ï n {\displaystyle \vartheta _{n}} , die durch die Bedingung
d sin âĄ âĄ Ï Ï n = n λ λ dB n â â Z mit sin âĄ âĄ Ï Ï 1 â â Ï Ï 1 = λ λ dB / d = 2 λ λ dB / λ λ = 30 ÎŒ ÎŒ rad {\displaystyle d\sin \vartheta _{n}=n\lambda _{\text{dB}}\quad n\in \mathbb {Z} \quad {\text{mit }}\sin \vartheta _{1}\approx \vartheta _{1}=\lambda _{\text{dB}}/d=2\lambda _{\text{dB}}/\lambda =30\,\mu {\text{rad}}}
erfĂŒllt sindcite-ref-21[21]. Durch die Strahlteilung wird der innere Zustand des Atoms nicht verĂ€ndert, da die WellenlĂ€nge der stehenden Lichtwellen des Phasengitters um ein Vielfaches gröĂer ist als die natĂŒrliche Linienbreite des optischen Ăbergangs. Die Materiewellen durchlaufen 6 ÎŒm / 405 nm = 15 WellenbĂ€uche des ersten Lasergitters bei einer LaserwellenlĂ€nge λ λ {\displaystyle \lambda } = 810 nm. Damit ist die Beugung nullter und erster Ordnung klar getrennt.
Wellenausbreitung und Phasenakkumulation
Im Atominterferometer werden die einfallenden Atome an der ersten stehenden Lichtwelle gebeugt. Eine kohĂ€rente Ăberlagerung von Strahlen hauptsĂ€chlich nullter und erster Ordnung entsteht. Im Experiment wurde ein Ï Ï 1 {\displaystyle \vartheta _{1}} = 32 ÎŒrad zwischen dem Winkel der nullten und ersten Beugung erreicht. Der vom Gitter G1 gebeugte Strahl trifft das Gitter G2 im Abstand von R1 = 25 cm bei x2 = 8 ÎŒm, was die Strahlbreite von 5 ÎŒm ĂŒbersteigt. Damit ist der Atomstrahl so gebĂŒndelt, dass die Beugung nullte und erste Ordnung am ersten Phasengitter rĂ€umlich getrennt auf das zweite Phasengitter fallencite-ref-rasel-7-3[7]. Hier am zweiten Gitter werden fĂŒr beide Strahlen die erste Beugungsordnung genutzt, die sich am dritten Gitter ĂŒberlagern.
Rekombination und Interferenz
Die nullte und die erste Beugungsordnung am Gitter der dritten stehenden Lichtwelle ĂŒberlagern sich kohĂ€rent. Die Interferenzen wurden durch Verschieben des dritten Gitters und Beobachtung der IntensitĂ€ten abwechselnd in den beiden austretenden Strahlen des ausgewĂ€hlten Interferometers im Fernfeld nachgewiesen. Die Strahlen nehmen im realen Raum deutlich unterschiedliche Wege. Das Interferenzmuster hĂ€ngt von der akkumulierten Phasendifferenz zwischen den beiden Wegen ab.
Die beiden AusgÀnge des Atominterferometers zeigen komplementÀre IntensitÀtsschwankungen. Dies ist eine Folge der Teilchenerhaltungcite-ref-22[22].
Anwendungen
Die beiden kohĂ€renten atomaren Wellenpakete breiten sich auf unterschiedlichen Wegen aus und akkumulieren unterschiedliche Phasen. Die einfache Manipulation von Phase, IntensitĂ€t und Polarisation der stehenden Lichtwelle ermöglicht neuartige Untersuchungen der atomaren KohĂ€renzeigenschaften. Die akkumulierte Phase reagiert empfindlich auf Ă€uĂere KrĂ€fte wie Schwerkraft oder Beschleunigung, was Atominterferometer zu hochempfindlichen TrĂ€gheitssensoren macht.
Atominterferometer werden fĂŒr PrĂ€zisionsmessungen der Gravitationsbeschleunigung, der Drehgeschwindigkeit und anderer TrĂ€gheitskrĂ€fte eingesetzt. Sie werden auch fĂŒr Tests in der Grundlagenphysik verwendet, einschlieĂlich Experimenten zum Ăquivalenzprinzip und der Suche nach Verletzungen des allgemeinen RelativitĂ€tsprinzips.
Zusammenfassend lĂ€sst sich sagen, dass Atominterferometer den Welle-Teilchen-Dualismus der Atome ausnutzen, um Interferenzmuster zu erzeugen, die sehr empfindlich auf Ă€uĂere KrĂ€fte reagieren. Sie werden fĂŒr PrĂ€zisionsmessungen und Experimente in der Grundlagenphysik eingesetzt.
Ramsey-Bordé-Atominterferometer
Ein Ramsey-BordĂ©-Atominterferometer ist ein hochempfindliches Instrument, das die Interferenz von Materiewellen zur prĂ€zisen Messung physikalischer GröĂen nutzt. Das Prinzip beruht auf der Wechselwirkung von Atomstrahlen mit Laserstrahlen. Dabei werden Energie und Impuls auf das Atom ĂŒbertragen. Das Interferometer nutzt eine Abfolge von drei Laserpulsen, um die Atome in verschiedene QuantenzustĂ€nde zu versetzen, ihre Bahnen zu trennen und wieder zu ĂŒberlagern. AbhĂ€ngig von der Phasendifferenz Î Î Ï Ï {\displaystyle \Delta \varphi } der beiden Teilwellen Ă€ndert sich die Amplitude der ĂŒberlagerten Materiewellen sinusförmig.cite-ref-ptb-mitteilungen-2009-heft-2-23-0[23]
GekĂŒhlte Atome in einer magneto-optischen Falle als Quelle
Eine breite Geschwindigkeitsverteilung der Kalziumatome im thermischen Atomstrahl fĂŒhrt zu einem breiten de-Broglie-WellenlĂ€ngenspektrum. Aus diesem Grund wird die Geschwindigkeitsbreite der atomaren Ensembles durch LaserkĂŒhlmethoden eingeschrĂ€nkt. Dazu werden die Atome in einer magneto-optischen Falle auf Temperaturen von 3 mK und 20 ÎŒK gekĂŒhlt und gespeichert. Die Quelle liefert 40Ca-Atome mit der wahrscheinlichsten Geschwindigkeitcite-ref-richter-20-1[20] v = (2kBT/m)œ von v (3 mK) = 1,12 m/s bzw. v (20 ÎŒK) = 9,1 cm/s. Dies entspricht einer de-Broglie-WellenlĂ€nge λdB = h/mv von λdB (3 mK) = 8,9 nm bzw. λdB (20 ÎŒK) = 109 nm.
AnschlieĂend wird die Falle abgeschaltet und die frei fallende Wolke kalter Atome in das Interferometer geleitet, wo sie mit gepulsten Lichtfeldern wechselwirkt, die als Strahlteiler dienen. Die horizontale Achse in der Abbildung rechts stellt somit eine zeitliche Koordinate dar.
Aufspaltung der Materiewellen
Ramsey-BordĂ©-Atominterferometer nutzen Laserpulse der WellenlĂ€nge λL = 657 nm, die mit der 1S0 â 3P1 Interkombinationslinie von Calcium in Resonanz stehen, als Strahlteiler und Spiegel fĂŒr Materiewellen. Bei der Anregung eines Calciumatoms wird sowohl Energie als auch Impuls auf das Atom ĂŒbertragen.cite-ref-ptb-mitteilungen-2009-heft-2-23-1[23] Die WechselwirkungsstĂ€rke kann so eingestellt werden, dass sich das Atom nach der Wechselwirkung in einer Ăberlagerung seines Grundzustands |găund eines angeregten Zustands |eăbefindet. Der angeregte Zustand ĂŒbernimmt dabei den Impuls â â {\displaystyle \hbar } k des absorbierten Photons, wobei k der Wellenvektor 2Ï/λL des Lichtfeldes ist. Bei einer stimulierten Emission wird entsprechend der Impuls eines ursprĂŒnglich angeregten Atoms beeinflusst. Im einfachsten Fall handelt es sich bei der Wechselwirkung um eine Ein-Photonen-Anregung des Atoms in einen langlebigen angeregten Zustand. Die Atome in den beiden AusgĂ€ngen befinden sich in unterschiedlichen ZustĂ€nden, wodurch die Beugungen nullter und erster Ordnung klar voneinander getrennt werden.
Wellenausbreitung und Phasenakkumulation
Im Zeitbereich hÀngt die Entwicklung der Phase ΠΠΊ Ί {\displaystyle \Delta \varPhi } der atomaren Wellenfunktion von der Energie des Teilchens ab. Entsprechend der Schrödingergleichung ergibt sich
ΠΠΊ Ί = 1 â â â« â« Î Î U ( t ) d t {\displaystyle \Delta \varPhi ={\frac {1}{\hbar }}\int \Delta U(t){\text{d}}t}
In einem Atominterferometer hĂ€ngt die Energie U der beiden Teilwellen von der Wechselwirkung mit externen Potentialen abcite-ref-24[24]. Im Atominterferometer werden die einfallenden Atome am ersten Laserpuls P1 gebeugt. Im dargestellten Interferometer fungieren der erste und der letzte Laserpuls P1 und P3 als sogenannte Ï/2-Pulse. Atome, die zu Beginn im Grundzustand sind und in Wechselwirkung treten, gelangen nach der Wechselwirkung in eine Ăberlagerung aus Grundzustand und angeregtem Zustand, wobei die beiden Teilwellen die gleiche Amplitude haben. Wenn die Wechselwirkungszeit verlĂ€ngert oder die Leistung des Pulses erhöht wird, erzeugt man einen Ï-Puls, der das Atom entweder aus dem Grundzustand in den angeregten Zustand ĂŒberfĂŒhrt oder umgekehrt. In diesem Fall agiert der Puls P2 als Spiegel anstelle eines Strahlteilers. Der Ï-Puls wird in der Mittelzone des Interferometers verwendet. In beiden Armen des Interferometers verbringen die Atome dieselbe Zeit sowohl im Grundzustand |găals auch im angeregten Zustand |e. Die Phasenverschiebung gemÀà obiger Gleichung ist daher fĂŒr beide Teilwellen identisch, und ihre Phasendifferenz wird ausschlieĂlich durch die rĂ€umlichen Phasen Ί Ί i {\displaystyle \varPhi _{i}} der Laser in den drei Wechselwirkungen i = 1, 2, 3 bestimmt, was zur Differenz
ΠΠΊ Ί = Ί Ί 1 â â 2 Ί Ί 2 + Ί Ί 3 {\displaystyle \Delta \varPhi =\varPhi _{1}-2\varPhi _{2}+\varPhi _{3}}
fĂŒhrt.cite-ref-ptb-mitteilungen-2009-heft-2-23-2[23] Der rĂ€umliche Aufbau des Experiments optimiert die empfindliche Messung der Phasendifferenz durch Beschleunigungen und Rotationen.
Anwendungen
Das Ramsey-BordĂ©-Atominterferometer eignet sich fĂŒr PrĂ€zisionsmessungen von
âą der Erdbeschleunigung gcite-ref-barrett-25-0[25]
âą dem Gradienten der Erdbeschleunigungcite-ref-barrett-25-1[25]
âą dem Ăquivalenzprinzip als Grundlage der Allgemeinen RelativitĂ€tstheorie durch Messung des Eötvös-Parameters η = Î a/âšaâ©cite-ref-26[26]
âą der statischen und dynamischen Polarisierbarkeit von Atomencite-ref-27[27].
âą der topologischen Phasenverschiebung der Aharonov-Casher-Phase. Hier zeigt ein elektrisch neutrales Teilchen mit einem nicht verschwindenden magnetischen Dipolmoment einen physikalischen Effekt aufgrund eines elektromagnetischen Feldes, obwohl keine Kraft auf das Teilchen wirktcite-ref-28[28].
⹠der Feinstrukturkonstanten αcite-ref-29[29].
Die starke AbhĂ€ngigkeit der interferometrischen Geometrie von der Laserfrequenz und die Empfindlichkeit fĂŒr die Frequenz des atomaren Ăbergangs machen das Ramsey-BordĂ©-Atominterferometer zu einem optischen Frequenznormalcite-ref-30[30].
FontÀnen-Interferometer
Ein FontĂ€nen-Interferometer basiert im Prinzip auf dem Mach-Zehnder-Interferometer. Eine Atomwolke wird in eine Superposition von zwei ImpulszustĂ€nden gebracht, die dann unterschiedlich beschleunigt werden. Da sie sich im Schwerefeld der Erde befinden, durchlaufen die beiden Wellenpakete unterschiedlich hohe Parabelbahnen. Am Scheitelpunkt werden die beiden Impulse vertauscht, sodass die Strahlen gleichzeitig wieder auf Abschusshöhe auftreffen und dort interferieren. Das beobachtbare Interferenzbild gibt Aufschluss ĂŒber die Phasenverschiebung durch Effekte wie unterschiedliche Gravitation, Erdrotation oder RaumzeitkrĂŒmmung.
Der gesamte Aufbau kann bis zu 10 Meter hoch sein, trotzdem sind die Strahlen meist nur wenige Millimeter voneinander entfernt.
Die verwendeten Atome, meist Alkalimetalle, werden bis knapp ĂŒber den absoluten Nullpunkt gekĂŒhlt. AuĂerdem wird heute meist ein Bose-Einstein-Kondensat verwendet.
Erzeugung der Superposition
Um die Interferenz beobachten zu können, mĂŒssen die Atome in eine Superposition zweier ImpulszustĂ€nde gebracht werden (Strahlteilung). Dazu werden die Atome mit zwei antiparallelen Laserpulsen mit dem Wellenvektor k {\displaystyle k} und Impuls â â k {\displaystyle \hbar k} beschossen, die gerade die Anregungsenergie der Atome haben. Absorbiert nun ein Atom ein Photon, so wird es nicht nur angeregt, sondern ĂŒbernimmt auch den Impuls â â k {\displaystyle \hbar k} des Photons, bewegt sich also in die Richtung des entsprechenden Lasers. Koppelt das angeregte Atom nun mit einem anderen Photon, kommt es zur stimulierten Emission, und es wird wieder ein Photon mit dem Impuls â â k {\displaystyle \hbar k} emittiert. Danach hat das Atom einen Impuls von 0 {\displaystyle 0} oder 2 â â k {\displaystyle 2\hbar k} .
Der Ăbergang in den angeregten Zustand erfordert jedoch einen DrehimpulsĂŒbergang. Durch rechts- bzw. linkshĂ€ndige Polarisation des Laserlichts kann ein Laser fĂŒr die Anregung und ein Laser fĂŒr die stimulierte Emission verwendet werden. Dabei werden die Atome nur in eine Richtung beschleunigt.
Aufgrund der Dopplerverschiebung âsehenâ die bewegten Atome eine leicht verschobene Laserfrequenz, die nicht mehr genau der Anregungsfrequenz entspricht. Um dies zu korrigieren, hat der zweite Laser eine etwas niedrigere Frequenz.
Spontane Emission findet auf einer viel gröĂeren Zeitskala statt als die stimulierte Emission und kann daher hier weitgehend vernachlĂ€ssigt werden. Auch Mehrfachanregungen der Atome werden stark unterdrĂŒckt, da durch die Dopplerverschiebung die Laserfrequenz fĂŒr eine zweite Anregung zu hoch ist.
Durch die Einstellung von Dauer und IntensitĂ€t des Laserpulses lĂ€sst sich genau die HĂ€lfte der Atome auf einen Impuls 2 â â k {\displaystyle 2\hbar k} beschleunigen, wĂ€hrend die andere HĂ€lfte in Ruhe verbleibt. Dieser Laserpuls wird wegen der Entsprechung einer Drehung auf der Bloch-Kugel als Ï Ï / 2 {\displaystyle \pi /2} -Puls bezeichnet und fungiert als Strahlteiler.
Impulsmanipulation
Wegen der Dopplerverschiebung ist es nun möglich, die beiden ImpulszustĂ€nde getrennt zu beschleunigen. Dies geschieht durch mehrere Laserpulse, die nun allerdings so stark sind, dass fast alle Atome beschleunigt werden ( Ï Ï {\displaystyle \pi } -Pulse). Dadurch wird die gewĂŒnschte Flugbahn erreicht.
Damit die beiden Wellenpakete am Abschusspunkt wieder in Phase sind, befindet sich am Scheitelpunkt der Flugbahn ein âSpiegelâ. Wieder wird unter Ausnutzung der Dopplerverschiebung durch Ï Ï {\displaystyle \pi } -Pulse der Impuls des höheren Wellenpakets verringert und der des niedrigeren erhöht.
Geschichte
Die Trennung von Materiewellen kompletter Atome wurde 1929 das erste Mal beobachtet von Estermann und Stern, als WasserstoffmolekĂŒl- und Helium-Strahlen an einer OberflĂ€che von Lithiumfluorid gebeugt wurden.cite-ref-33[33] Die ersten berichteten modernen Atominterferometer waren 1991 ein Doppelspaltexperiment nach Young mit metastabilen Helium-Atomen und einem mikrostrukturierten Doppelspalt von Carnal und Mlynekcite-ref-34[34] und ein Interferometer mit drei mikrostrukturierten Beugungsgittern und Natrium-Atomen in der Gruppe um Pritchard beim MIT.cite-ref-35[35] Kurz danach wurde bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) festgestellt, dass ein optisches Ramsey-Spektrometer, welches ĂŒblicherweise in Atomuhren verwendet wird, auch als Atominterferometer verwendet werden kann.cite-ref-36[36] Die gröĂte rĂ€umliche Trennung zwischen Paketen von Partialwellen von 54 cm wurde mittels LaserkĂŒhlung und stimulierten Raman-ĂbergĂ€ngen durch Chu und Mitarbeiter in Stanford erzielt.cite-ref-37[37]
Anwendungen
Atominterferometrie ist ein relativ neues und sich schnell entwickelndes Gebiet. Man hofft, zahlreiche Naturkonstanten wie die Gravitationskonstante und Feinstrukturkonstante prÀziser bestimmen zu können als dies mit herkömmlichen Methoden realisierbar ist.cite-ref-38[38]
Durch die Reaktion auf bereits kleine Beschleunigungsunterschiede lassen sich auch Rotationen wie beispielsweise durch die Corioliskraft oder Gravitation messen.
AuĂerdem lassen sich fundamentale Theorien der modernen Physik ĂŒberprĂŒfen, wie die allgemeine RelativitĂ€tstheorie. Dies geschieht zum Beispiel durch die Vermessung der gravitativen Rotverschiebung durch die unterschiedlichen Bahnen der Wellenpakete im Gravitationspotential der Erde.cite-ref-39[39] Auch viele nicht etablierte Theorien lassen sich durch Atominterferometrie ĂŒberprĂŒfen, wie beispielsweise Theorien fĂŒr Dunkle Materie oder Quantengravitation.cite-ref-40[40]cite-ref-41[41]
Literatur
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âą Paul R. Berman (Hrsg.): Atom Interferometry. Academic Press, 1997, ISBN 0-08-052768-X (Detaillierte Ăbersicht der Atominterferometer zu dieser Zeit; gute EinfĂŒhrungen und Theorie).
âą Uwe Sterr, Fritz Riehle: Atominterferometrie. In: PTB-Mitteilungen. Band 119, Nr. 2, 2009, S. 159â166 (Atominterferometrie (Memento vom 29. Dezember 2013 im Internet Archive) [PDF; 5,6 MB; abgerufen am 17. Juni 2016]).
Einzelnachweise
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